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Leitfaden für Investoren Empfehlung

Habe einen Leitfaden für Investoren eines alten Bankier entdeckt, den ich nur bestens empfehlen kann.
Author ist der Alt-Privatbankier Wolgang F. Somary, von Haus aus Volkswirtschaftler und
Mitbegründer der Lichtensteiner Salmann Investment AG.

Quelle: http://www.salmann.com/publications-somary.php?nlId=35

Spekulation, Betrug und Prognosen

Endzeit des reinen materiellen Pragmatismus?

Wetterleuchten: Es kracht die Investmentbank Bear Stearns und keiner nimmt dieses Zeichen wahr (nomen est omen). Ereignisse wie der Zusammenbruch der American International Group (AIG), der UBS, Royal Bank of Scotland, Hypo Real Estate, Fannie Mae und Freddie Mac (beide staatliche Unternehmen), der drei Grossbanken Irlands, der Konkurs von Lehman Brothers, die Zwangsübernahme von Merrill Lynch durch die wacklige Bank of America, der Staatskonkurs von Island (22 Milliarden Dollar wurden bei einer Bevölkerungszahl von 300,000 als Kredite aufgenommen), der Staatskonkurs von Argentinien mit der Vernichtung der Sparguthaben, das Stundungsgesuch des Luxuslandes Dubai, die Konkurse des Long-Term Capital Management Hedge Fonds, der berüchtigten Energiehändlerin Enron und des Telefonriesen WorldCom, die massive Abzockerei bei Tyco und Parmalat, die Bilanzfälschungen (auch «kreative Buchführung» genannt) vieler Grosskonzerne mit der Rückendeckung blinder Revisionsfirmen, der gigantische Betrug von Bernie Madoff, von dessen Ponzi-Schema die Börsenkommission nichts hören wollte, die Verlochung von hunderten von Milliarden Dollar für überzahlte Akquisitionen, etwa RTZ für Alcan oder RBS für ABN-Amro, die frechen Forderungen prominenter Geschäftsführer, die ein sinkendes Schiff verlassen und das Gepäck noch mitnehmen, die Unterkapitalisierung der Grossbanken auf Grund fauler Kredite, die zum Teil nicht einmal in der Bilanz erscheinen, die langjährigen Manipulationen mit der maroden Crédit Commercial, das «Grounding » der Swissair, die plötzliche Unterdeckung von vielen Pensionsforderungen infolge von Spekulationen und das astronomische Trinkgeld von 140 Millionen Dollar, das sich der ehemalige Präsident der New Yorker Börse auszahlen liess, der Verlust von 5 Milliarden Dollar, den ein unbeaufsichtigter Händler bei der Société Générale seiner Bank bescherte, die fehlerhaften Autos, die heuer Toyota als renommierte Produzentin auf den Markt brachte, haben sich zwischen 1998 und 2009 dermassen kumuliert, dass man zweifelsohne von einer Krise des Kapitalismus sprechen darf.

Diese Beispiele sind nicht als einsame Ausrutscher zu betrachten, sondern als Vorboten der Endzeit des reinen materiellen Pragmatismus.

Die neue Kultur von Shareholder Value, die in guten Jahren die Vetternwirtschaft erfolgreich und oft berechtigterweise bekämpfte, führte zur Schlussfolgerung, ein Unternehmen sei vorwiegend als Milchkuh des Managements und Spielball der Hedge Fonds zu betrachten und ihre Geschäftsführer seien wie Söldnergeneräle früherer Zeiten anzuheuern und zu feuern, wofür sie sich entsprechend teuer verkaufen, kurzfristig denken und sich über Loyalität keine Gedanken machen. Gleichzeitig kam die Irrlehre der New Economics, welche neue Bewertungskriterien bestimmte, wonach der Nachweis eines potenziellen Marktes und einer grossen Kundenkartei und die Projektion des künftigen Cash Flows als aktivierbare Posten gelten. PR und geschicktes Marketing bekamen einen höheren Stellenwert als Forschung und Entwicklung. «Value Dynamics» führte zur hohen Bewertung von leitenden Angestellten und Lieferanten, vom Aktivum der Kundschaft, vom intellektuellen Kapital und neuen Geschäftsoptionen. Neben dem Begriff Shareholder Value kursierte der Ausdruck «Global Player», womit die Durchführung von Megafusionen gerechtfertigt wurde. Durch deutlich überzahlte Akquisitionen mit geborgten Geldern wurde, bei nachträglicher Wertverminderung, der Wert des Unternehmens ausgehöhlt. Es wurde die bittere Lehre gezogen: Der Kauf von Wachstum wird in der Hausse überzahlt, sollte aber intern generiert werden.

Nach der Bereinigung mancher der obigen Fehlleistungen kamen neue hinzu. Insolvente Käufer mit gutem Credit Rating wurden von Banken mit Subprime-Hypotheken angelockt, um Häuser ohne Anzahlung und ohne persönliche Haftung zu kaufen; die Hypotheken wurden versichert, gebündelt und an Bankkunden, oft gegen Kredit, verkauft. Die Rechnung ewig steigender Immobilienpreise ging nicht auf, und das Kartenhaus brach ein.

Dazu kam der unkontrollierte Handel mit strukturierten Produkten und mit Derivaten, von Mathematikern erdacht, die viele Investoren und auch Kundenbetreuer kaum verstehen. Derivate werden eingesetzt, um ein Risiko zu begrenzen oder zu erhöhen. Wer seine Chance erhöhen will, erhöht auch sein Risiko. Wo ging es schief? Auch regulierende Behörden haben Derivate zu wenig verstanden, und die Interessenverbände (Lobbys) vereiteln eine strengere Regulierung. Es gab kein zentralisiertes Clearing und somit keinen Schutz für Investoren vor Risiken von dritter Seite. Risikomanagement war fragwürdig. Versichertes Konkursrisiko als handelbares Produkt in Form von Credit Default Swaps bedeutet: Banken können die Kapitalanforderungen missachten. Die Annahme eines effizienten Marktes, wo alles was bekannt ist, bereits in den Kursen steckt, ist eine Illusion. Das Ausmass der Verschuldung vieler Hedge Fonds, ehe sie 2008/2009 implodierten, war unbekannt und deren Transaktionen nicht transparent.

Bereits die World Financial and Economic Crisis Conference in Genf im Jahr 1985 hatte auf die Unterkapitalisierung der Banken hingewiesen (damals ging es um das Schuldenmoratorium von Mexico, Brasilien und Argentinien), und der Executive Intelligence Review im Jahr 1989 machte auf die Gefahr vom Umfang des Handels in Derivativen aufmerksam. Mahnungen waren vergeblich.

Prognosen-Schlamassel: Im März 2003 sassen wir vor einer Liste von zwölf grossen Investment Managern, die für das Jahr 2002 Prognosen gestellt hatten, die ausnahmslos über 30% fehllagen. Auf Grund makro-ökonomischer Indikatoren allein ist es müssig, Prognosen zu stellen. Massgebend ist das Vertrauen, und das ist eine subjektive Komponente.

Im Winter 2009 waren die Prognostiker gleich unbegabt – sie verkündeten einstimmig: Aktien mögen billig erscheinen, aber zum Kaufen ist es viel zu früh. Wer anders dachte, wurde für dumm gehalten. Neun Monate später waren die Börsenindizes 50% höher. Die rühmliche Ausnahme bei diesen miesen Prognosen war Warren Buffett, der mitten im Börsenkollaps gross investierte mit dem Spruch: «Cash is Trash», womit er wohl meinte: Die Kaufkraft des Papiergeldes wird eines Tages auslaufen.

Man reagiert oft unterschiedlich beim gleichen Phänomen, und das hat mit der Zeitqualität zu tun. Mehr als drei Jahre lang vor dem Bersten der Hightech-Blase und wiederum vor dem Bersten der Immobilienblase bekamen Investoren öfters zu hören: Dieses Spiel wird bös enden. Die Mahner abwimmelnd, wurde anderseits wiederholt, langfristig sei man mit Aktien immer am besten gefahren. Übersehen wird: Wer in einer Baisse die Hälfte des Vermögens verliert, muss was ihm übrig bleibt verdoppeln, um wieder auf den ursprünglichen Stand zu kommen. Es ist anzunehmen, dass die gegenwärtigen Prognosen ebenso wenig stimmen wie die nachfolgend zitierten Prognosen der Experten während der Weltwirtschaftskrise von 1929 – 1933.

Wer seine eigene Prognose machen will, könnte beispielsweise auf den Baltic Dry Cargo Index und auf den Copper Warehouse Index achten, die Anzahl der Baukräne in einer grösseren Agglomeration von Zeit zu Zeit vergleichen, die Dichte der Besucher in guten Restaurants feststellen und beobachten, ob Entrecôte oder Bratwurst gegessen und Wein oder Bier getrunken wird, bei den Kassen in Warenhäusern die Käufe anschauen – ob billig oder teuer, besonders in den Abteilungen für Mode und Kosmetik. Solche Beobachtungen sind manchmal zuverlässiger als makro-ökonomische Analysen und auch verständlicher.

Folgende Muster abwegiger Prognosen von «Experten» sind eine Auswahl aus dem Buch «Oh yeah!» (Herausgeber Edward Angly, The Viking Press, New York, 1931). Dabei waren die nachfolgend zitierten Personen ebenso bekannt wie heute Alan Greenspan, Ed Yardeni oder Warren Buffett und George Soros.

«Es gibt weder grössere Konkurse, noch besteht da eine Wahrscheinlichkeit.» Monthly Review, National City Bank, Dezember 1929

«Amerikas Fortschritt kann nur für kurze Augenblicke aufgehalten werden.» Julius Barnes, Leiter der National Business Conference, Dezember 1929

«Neuliche Entwicklungen bekräftigen den Optimismus, womit Geschäftsleute die Aussichten für 1930 beurteilen.» Guaranty Trust Co. Survey, Dezember 1929

«Glücklicherweise können wir jetzt dieser misslichen Episode den Rücken kehren.» Paul Warburg, Federal Reserve Board, Januar 1930

«In zwei Monaten wird der Geschäftsgang wieder normal.» Robert Lamont, Amerikanischer Kommerz-Sekretär, März 1930

«Es gibt keinen Grund, Angst zu kriegen.» Sir Josiah Stamp, Notenbank-Gouverneur von England, Mai 1930

«Das wirtschaftliche Ungleichgewicht dieser Zeit wird zweifellos ausgeglättet vor Ablauf von wenigen Monaten.» Dr. Randolph Burgess, Federal Reserve Bank of New York, Juni 1930

«Der allgemeine Geschäftsrückgang wird, meines Erachtens, stark überbetont.» R. Woodruff, Präsident von Coca-Cola, August 1930

«Gemäss allen Indikatoren erleben wir im Frühjahr eine Besserung, die dann im Herbst markant wird.» Francis Sisson, Guaranty Trust, New York, August 1930

«Ihr werdet eines Morgens erwachen und feststellen, das amerikanische Volk habe sich im Bett umgedreht und die spekulative Orgie sei beendet.» Thomas Lamont, J.P. Morgan Bank, November 1930

«Ich sehe keinen Grund, warum 1931 kein vorzügliches Jahr werden sollte.» Alfred Sloan, Präsident General Motors, November 1930

«Der Tiefstpunkt ist nun erreicht worden.» Roy Young, Federal Reserve Bank of Boston, Februar 1931

«Diese Zeiten sind wahrlich gut, aber die wenigsten sind sich dessen bewusst.» New York Times, März 1931

«Die Europäer scheinen alle zuversichtlich zu sein, dass uns ein wirtschaftlicher Aufschwung unmittelbar bevorsteht.» New York Times, Juni 1931

Wir erleben heute ähnliche nichtige Aussagen. Wer Prognosen stellen will, muss sein historisches Wissen vertiefen: Statistiken genügen nicht. Mittlerweile hat man die Aufgabe, Kunden vor allfälligen Verlusten zu schützen. Mit dem Meiden des Risikos ist das nicht geschehen: Auch Nichtstun ist ein Risiko. Es geht darum, einen kritischen Zeitraum finanziell gut zu überstehen, um bei einer Wende wieder Anlauf nehmen zu können. Die Minimierung von Verlusten in schwierigen Zeiten ist eine höhere Kunst als die Maximierung von Gewinn in guten. Die Aufgabe des Beraters ist, sichtbar zu machen, was der Kunde vorher entweder nicht gesehen oder vergessen hat, und nicht Vorhersagen zu machen. Wer sich für die Zukunft positionieren will, soll gut diversifizieren, nur kaufen, was seinem Naturell entspricht, und viel spazieren gehen.

Gelesen 5607 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 10 April 2013 09:34
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